Andreas F. Rosian

Architekturstudent

„Material und Verbrechen“ ist der Titel einer Arbeit, die sich sehr intensiv mit dem Thema Material und Wertzuschreibung auseinandersetzt und zum Nachdenken anregen sollte. Es geht hier nicht um eine Schmutzkampagne gegenüber bestimmten Designerstücken, sondern um einen Denkanstoß über gesellschaftlich definierte Wertvorstellungen. Denn die mondäne Frau von heute trägt iPhone, Lippenstift, Spiegel und Kamm sehr gerne in einem Behältnis aus Kunststoff durch die Altstadtpassagen. Nur in den seltensten Fällen ist damit eine gelbe Plastiktüte gemeint, die sie beim Hausverstand ihres Vertrauens gekauft hat. Die Verzierung mit diversen Mustern, Buchstaben und Farbcodes lässt in unserem Kopf eine Vielzahl von Assoziationen zu. Das kann beispielsweise von einer finazkräftigen Businesslady, über die gut verheiratete Ehefrau bis hin zur Urlauberin der italienischen Adria reichen, die mit ihrer Investition bei einem Strandverkäufer ihren sozialen Status aufbessern will. Die Motive, die es zu hinterfragen gilt, sind ähnlich und generieren sich aus einem medialen und gesellschaftlichen Diktat plakativer und konsumorientierter Verhaltensweisen. Qualität und Wertschätzung wird nicht durch die Wahl von Material oder durch Handwerkskunst erzeugt, nein, es ist der vermeintliche Preis, den wir im Stande sind zu bezahlen und das soll ja auch jeder von weitem sehen und verstehen.